Vereinsgeschichte       

1913                                                                                           2013

100 Jahre Kreuznacher Hockey Club

Ein stolzer Geburtstag

Quellenkunde

Ein Jahrhundert ist eine lange Zeit, vor allem, wenn es darum geht, eine Vereinsgeschichte zu schreiben. Viele Fakten, Namen und Histörchen gehen vergessen, verlieren sich in den offiziellen und privaten Archiven oder werden zu Anekdoten, die nur noch wenige erzählen können, die sie selbst erlebt haben oder von anderen Zeitgenossen aus erster Hand erfuhren. Nicht alles ist wichtig, was passiert. Aber manchmal ist gerade das Unwichtige interessant und aufschlussreich, es enthält mehr Vereinsgeschichten und -geschichtchen und beschreibt somit auch eher den Charakter eines Vereins als die vermeintlich bedeutenden Ereignisse. Für diese feinen Unterschiede hatten unsere Ehrenmitglieder Karl Schlarb (verstorben 1987) und Arthur Heil (verstorben 2007) einen Blick. Bereits in den erschienen Vereinschroniken (50, 75, 90 Jahre KHC) wurde detailliert über die Geschichte von den Anfängen des Vereins berichtet. Auf all diese Beiträge, ergänzt mit Informationen über die „Neuzeit“ des Clubs,  stützt sich der folgende Artikel.

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Hockey im Fußball-Club: Start in ungünstiger Zeit

Am Anfang des Hockey-Clubs stand eine sportliche Zellteilung. Mitglieder des 1. Fußball Clubs 02 Kreuznach, die – aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen -  plötzlich ihre Passion für den Hockeysport entdeckten, setzten sich zusammen.  Schlagen  wir das  erste    Protokollbuch vom

24. Oktober 1913 auf, dem Tag, an dem der KHC entstand:

 

In dieser Gründungsversammlung wurde laut Protokoll „der ganze Vorstand einstimmig per Akklamation gewählt“. Er bestand aus Gustav Brenner als 1. Vorsitzenden, Emil Gutjahr als Schriftführer, Heinz Stumm als 1. Kassierer und H. Horgarth als 1. Kapitän. Letzterer war ein waschechter Engländer, Sprachlehrer an der Berlitz-School, und aus seinem Heimatland mit dem Hockey verständlicherweise vertrauter als zu dieser Zeit die deutschen Sportkollegen. Was die Spielkleidung anbelangte, einigte man sich auf weißes Hemd (damals nannte man es auch bei den Herren „Bluse“) mit Vereinsemblem und weinrote Hose. Rot und weiß wurden daher auch die offiziellen Vereinsfarben und bilden heute noch die Trikotfarben des Vereins.

Nach kurzem, aber eifrigem Training fand bereits am 16. November 1913, also gerade drei Wochen nach der Gründung, das erste Spiel statt. Als Gegner hatte man die 2. Mannschaft des Turnvereins 1860 Frankfurt eingeladen. Da an einen eigenen Hockey-Platz noch nicht zu denken war, spielte man auf dem Sportplatz des 1. F C K  02, ein  Vorgänger der heutigen „Eintracht“ Kreuznach. Das Spiel endete mit einem 3:3 Unentschieden recht ehren- und hoffnungsvoll für die weitere sportliche Entwicklung des KHC, zumal – was die Kritik für alle Zeiten klarstellte – „die Frankfurter mit drei Spielern aus der 1. Mannschaft erschienen waren“. Zum Glück war auch ein Fotograf zu Stelle, der die erste Mannschaft des KHC mit ihren Gästen auf Platte bannte.

Noch im gleichen Winter 1913/1914 gab es die ersten Ansätze für die Bildung einer Damen-Elf. Leider kamen die hockeybegeisterten Damen – unter ihnen Zissy Müller, Bernhardine Kuhne, Käti Schlarb, Käti Baumkauff, Meta Loser – bis zum Kriegsausbruch 1914 über Trainingsstunden nicht hinaus. Das Weltgeschehen hemmte ihre sportlichen Ambitionen. Bereits sehr weitsichtig zeigte sich der damalige Clubvorstand, als er sich um die Bildung einer Schülermannschaft bemühte. Das letzte Versammlungsprotokoll vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges – niedergeschrieben vom Schriftführer Emil Gutjahr – gibt im Kleinen ein Stück Zeitgeschichte des Hockeysports in Deutschland wieder:

 

                        „Da ich schon oft von Schülern wegen der Bildung einer Schüler-Abteilung in

                        unserem Club angehalten worden bin und es zweckmäßig erscheint, für

Nachwuchs zu sorgen, so muss mit Energie auch darangegangen werden.

Hockeybruder Ferd. Frera besorgt billige Trainingsstöcke aus Eichenholz zu 75 Pfg.

pro Stück, da es den Schülern am Anfang schwer fällt gleich so viel Geld für

einen guten Stock auszugeben.“

 

Karl Schlarb, damals zwölf Jahre alt, war einer derjenigen, die dem Emil Gutjahr keine Ruhe ließen und von dieser Unterstützungsaktion profitierten. Er erinnert sich, dass sie schließlich die (im damaligen Jargon) “Eichen-Schälbengel“ genannten Schläger erhielten und sich – ein weiteres Privileg – aus dem hohen Gras des Sportplatzes die zum Spielen notwendigen, irgendwann einmal beim Training der 1. Mannschaft verloren gegangenen Bälle zusammensuchen durften. Damit war ihre Ausrüstung komplett.

 

Wiedergeburt in die Selbstständigkeit: die goldenen Zwanziger

Der ausbrechende 1. Weltkrieg setzte der gerade begonnenen Spieltätigkeit bereits nach einem Jahr zunächst ein Ende. Nach dem Krieg, im Frühjahr 1920, wurde die Wiedergründung des Clubs in die Wege geleitet. Eine Liste ging unter den Interessierten von Hand zu Hand. Die Eintragungen erfüllten die Erwartungen, so dass im Oeffentlichen Anzeiger bekannt gegeben werden konnte:

 

Hockey: 

Die Interessenten werden gebeten, zwecks Wiedergründung

der Abteilung am Montag, 21. Mai 1920,  abends 8 ¼ Uhr,

im „Berliner Hof“ zu erscheinen.

 

Die stattliche Anzahl von über 50 Besuchern kam zu dieser Wiedergründungs-Versammlung zusammen. Sie wählten einen vorbereitenden Ausschuss, für den sich der Gründungs-vorsitzende aus dem Jahr 1913, Gustav Brenner, als Obmann zur Verfügung stellte. Von den Clubgründern waren noch Max Heblich und Heinz Stumm wieder erschienen. In der darauffolgenden Versammlung, am 26. Juli 1920, wurde der neue Vorstand gewählt. An seiner Spitze stand jetzt Hugo Schneider, da Gustav Brenner  diese Funktion nicht mehr begleitete.Ihm folgte bereits ein Jahr später Heinrich Wirth, der den Verein fast drei Jahrzehnte führte und 1948 zu seinem Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.

 

Die damaligen Sportplatz-Verhältnisse waren der Anlass, als Abteilung aus dem 1. F C  02 auszuscheiden und einen eigenständigen neuen Verein zu bilden. Das Jahr 1920 wurde somit zum zweiten Geburtsdatum des Kreuznacher Hockey Clubs. Ende Juli 1920 zählte der Club bereits 53 Mitglieder, darunter elf Damen.

 

Wiederum trainierte man mit viel Eifer auf das erste Spiel hin. Am 5. September 1920 war es dann soweit. Dieses Mal war der VfR Alzey der erste Gast des KHC. Offensichtlich war aber die Mannschaft noch nicht so recht von ihrem Können überzeugt. Um den zum ersten Spiel zu erwartenden vielen neugierigen Kreuznacher Zuschauern für den Fall einer misslungenen Premiere der eigenen Mannschaft dennoch etwas zu  bieten, lud man sicherheitshalber die damals spielstarken Mannschaften von Alemannia Worms und FV Kaiserslautern zu einem Demonstrationsspiel ein. Die über 1000 Zuschauer sollten sehen können, wie Hockey richtig gespielt wird. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als unnötig. Der zweite Start in die Hockey-Geschichte gelang den KHC‘lern noch besser als der erste: Man gewann mit 5:4 Toren und hatte damit beim anschließenden Wiedergründungs-Bankett im Hotel „Fürstenhof“ gleich zwei Gründe zum Feiern.

In der Saison 1920/21 wagte sich die junge Elf dann schon an größere Aufgaben heran: TG Worms, FC Pirmasens, FV Kaiserslautern, Borussia Neunkirchen und andere Mannschaften waren die Gegner. Man sieht daran auch, wie sehr immer noch dieselben Vereinsnamen den Sport in der Region prägen. Der Chronist des KHC war ehrlich genug zu vermerken, dass die spielstarken Mannschaften meistens nur mit der 2. Mannschaft gegen den KHC antraten; aber das sollte sich ändern. Die Statistik der ersten Saison kann sich in ihrer Ausgeglichenheit durchaus sehen lassen: „20 Spiele, 10 gewonnen, 10 verloren, Gesamttorergebnis 54:48 zu unseren Gunsten“ berichtet stolz das alte Wettspielbuch aus der Saison 1920/21. Auch eine 2. Herren-Mannschaft konnte inzwischen aufgestellt werden und nahm den Spielbetrieb auf. Der Hockeysport etablierte sich in Bad Kreuznach.

 

Zu den Auswärtsspielen traf man sich immer in der Bahnhofshalle. Verpasste einer den Zug, dann hatte er das zweifelhafte Vergnügen, sich die mitgebrachten belegten Brote zu Hause einzuverleiben. Und dabei lagen die Abfahrtszeiten so „günstig“: z.B. nach Saarbrücken fuhr der Zug um 4:31 Uhr (nicht etwa nachmittags!) ab. Eine Ankündigung, sich zu dieser Zeit zur Abfahrt zu treffen, hätte bei den heutigen Mannschaften vermutlich Heiterkeitsausbrüche zur Folge und der KHC würde auswärts nur noch durch Geistermannschaften vertreten. Aber die alte Eisenbahn als Fortbewegungsmittel hatte auch ihre guten Seiten: Nach dem Spiel musste man oft lange auf die Rückfahrt warten und konnte sich gemeinsam mit den gastgebenden Mannschaften ohne Rücksicht auf Alkohol am Steuer die Zeit verkürzen.

 

 

Ein Jahr nach Wiedergründung wurde auf einer außerordentlichen Versammlung die Gründung einer Tennis-Abteilung beschlossen. Gespielt wurde zunächst auf dem Platz an der Augustastraße und später auf den Plätzen im Kurpark. Konsequenterweise benannte sich der Club 1923 in „Kreuznacher Hockey und Tennis Club“ um. Die Verbindung der beiden Sportarten hatte nur drei Jahre Bestand. Der Chronist vermerkt aus Höflichkeit nur das Vorkommen von „unerfreulichen Ereignissen“ im Clubleben. Die Tennis-Aktiven schieden wieder aus und bildeten – einer erneute Zellteilung des Kreuznacher Vereinslebens – den Tennis Club „Blau Weiß“, der auch heute noch besteht.„Tennis“ wurde wieder aus dem Clubnamen gestrichen, der danach bis heute unverändert blieb.

 

Das Jahr 1923 hat noch aus einem anderen Grund eine besondere Bedeutung für die Vereinsgeschichte: es war das Jahr des ersten Hockey-Turniers, das der Verein ausrichtete und das den Anfang einer bedeutenden Tradition im deutschen Hockeysport bildete: Dem „Internationalen Oster-Hockey-Turnier“, auf das später in der Festschrift eigegangen wird. Inzwischen hatte sich auch wieder eine Damen-Elf zusammengefunden und es dieses Mal zu einem richtigen Spielbetrieb gebracht.

 

Die Ereignisse des 2. Weltkrieges unterbrachen natürlich zunächst die weitere Entwicklung des Hockeysports in Bad Kreuznach. Insgesamt 17 Mitglieder des KHC, darunter hoffnungsvolle Nachwuchsspieler, kamen aus dem Krieg nicht mehr zurück. Ihnen hat der Verein im Stadion Salinental einen Gedenkstein gewidmet. Dieser steht heute auf dem Kreuznacher Friedhof neben der alten Kapelle. Doch bereits wenige Monate nach dem Ende der Katastrophe im Mai 1945, finden sich in den Vereinsarchiven wieder Dokumente über die Aktivitäten der Kreuznacher Hockey-Begeisterten.

 

 

Die Militärregierung machte es möglich: die dritte Geburt des KHC und der Wiederaufbau mit neuen Sportarten nach 1945

Für Karl Schlarb war es ein „Treppenwitz“, historisch betrachtet ist es wohl Realität: Da die Militärregierung zunächst nichts anerkannte, was 1945 existierte, auch nicht die in Bad Kreuznach seit langem existierenden Vereine, kam es zur KHC-Gründung Nummer 3. Zunächst hatten die Franzosen versucht, alle Sportaktivitäten der Stadt in einem einzigen Verein zusammenzufassen. Wer die „besonderen Beziehungen“ zwischen den Vereinen einer Stadt kennt, kann sich vorstellen, dass dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe stieß. Die Vorgespräche, die die Repräsentanten der einzelnen Sportarten und größtenteils alteingesessenen Vereine führten, blieben fruchtlos. So genehmigte die Militärregierung zähneknirschend im Dezember 1945 die Gründung von Einzelvereinen. Die Nachfahren des Vorkriegs-KHC reichten einen Antrag ein, in dem Fritz Grunewald als 1. Vorsitzender und Willi Hilsbos, Alfred Hühne sowie Edy Derschug als weitere Vorstandsmitglieder vorgeschlagen wurden. Alle hatten aus der davor liegenden Zeit eine „weiße Weste“ und so stand der dritten Gründung des KHC am 04. April 1946 nichts entgegen.

 

Fritz Grunewald wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Bei den vielen Gründungen des KHCs verlor sogar unser Chronist den Überblick. Er schrieb: „Ja, bei genauer Durchsicht des Protokollbuchs ist festzustellen, dass am 28. Januar 1948 im Gasthaus Schleider der Club zum dritten Mal ´gegründet´ wurde.“ Es wäre - wer bei der Lektüre dieses Textes sorgfältig mitgezählt hat, wird es gemerkt haben – bereits das vierte Mal gewesen. Die Umstände dieser vierten Geburt sind nicht näher bekannt – nicht verwunderlich, wenn man an die Zeiten denkt, in denen dieses geschah. Viel verwunderlicher ist es, dass einige trotz wahrhaft anderer Sorgen in den Jahren direkt nach dem 2. Weltkrieg schon wieder an ihren Hockeysport denken konnten und auch gleich die Initiative ergriffen. Damals konnte es durchaus passieren, dass der 1. Vorsitzende „vom Spielfeld herunter auf die Kommandantur geholt wurde“, um Einreiseformalitäten von Gastmannschaften aus anderen „Zonen“ (das konnte in dieser Zeit z.B. Frankfurt gewesen sein) mit den Besatzungskräften zu regeln.

 

Leichtathletik – Tischtennis - Fechten

In diese „Nachkriegszeit“ fallen auch die Gründungen der Leichtathletik- und Tischtennisabteilung im Jahre 1946 und vier Jahre später 1950 die der Fechtabteilung. Hierüber wird an anderer Stelle in gesonderten Berichten noch näher eingegangen.

 

 

Sportliche Erfolge prägen die weitere Entwicklung

In den Jahren danach dominieren dann endlich sportliche Erfolge die Geschichte des KHCs. Die äußeren Umstände schufen nach zwei Weltkriegen und den zum Teil damit verbundenen Problemen der Vereins-Existenz nun ruhigere Bahnen für die weitere Entwicklung. 1950 übergab Fritz Grunewald den Vorsitz an Willi Hilsbos, der den KHC 27  Jahre führte und in dessen Amtszeit die größten sportlichen Erfolge fallen.

Er hatte aber auch in den Zeiten als Vorsitzender mit Karl Scherhag (bis 1963), Werner Kösling (bis 1971) und Walter Sensenschmidt (bis 1977, danach bis 1995 1. Vorsitzender) sehr kompetente Partner als 2. Vorsitzende an seiner Seite. 

Verbunden sind die 60er, 70er und 80er Jahre auch mit Leuten wie Siegfried Hühne, Walter Frölich, Walter Knicker, Helmut Weyand, Walter Tullius, Arthur Heil, Gisela Rothländer, Dieter Kunkler  und Günter Stöhr, die rund  30 Jahre aktive Vorstandsarbeit leisteten.

 

 

Achtmal errang die 1. Herrenmannschaft bis 1966 die Rheinland-Pfalz-Saar-Meisterschaft. Einer der Höhepunkte war 1960 der 3:1-Sieg (nach Verlängerung) über den noch amtierenden Deutschen Meister SC Brandenburg Berlin auf dessen eigenem Platz, nachdem man zu Hause bereits Uhlenhorst Hamburg besiegt hatte. Am Radio fieberten die Daheimgebliebenen damals mit der Mannschaft, die durch ihren Sieg in Berlin den Einzug ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft schaffte. In einem hervorragenden, überaus spannenden Spiel vor mehreren Tausend Zuschauern unterlag man dann in der nächsten Runde zu Hause gegen den Rekordmeister Uhlenhorst Mühlheim mit 1:2. Dies war auch die große Zeit von Franz Rauh, der die Mannschaft nicht nur trainierte, sondern auch menschlich führte und damit maßgeblich zu den großen Erfolgen beitrug. Das Endspiel wurde knapp verpasst, aber immerhin gehörte die 1. Herrenmannschaft zu den vier besten Hockeyteams in Deutschland.

Für den KHC spielten: Günther Frey, Werner Kösling, Rudi König, Helmut Schleider, Dieter Schmidt, Walter Sensenschmidt, Armin Keller, Arthur Heil, Manfred Grube, Rudolf Hildebrandt, Artur Nix und Jürgen Resak.

 

1966, also fünf Jahre später, schaffte die 1. Herren-Mannschaft dann wieder den Sprung unter die acht besten Teams der deutschen Hockey-Elite. Nach einem 3. Platz in der Süddeutschen Meisterschaft nahm sie an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft teil. Safo Frankfurt, DHC Hannover und HTC Gladbach (Gruppensieger und späterer Deutscher Meister) waren zwar zu schwere Gegner, um ins Finale vorzudringen, aber der KHC machte sich mit den großen und vielbeachteten Spielen einen Namen, der sich auf die Attraktion des Hockeysports in Bad Kreuznach und damit indirekt auch auf die eigene Jugendarbeit positiv auswirkte.

Im Aufgebot standen mit Günther Frey, Werner Kösling, Walter Sensenschmidt, Dieter Schmidt, Armin Keller, Arthur Heil und Helmut Schleider  Spieler, die bereits 1960 für Aufsehen gesorgt hatten. Außerdem trugen das KHC-Trikot Klaus Adolphy, Horst Smuda, Harald Kösling, Gerhard Flemmerer, Günter Stöhr, Lutz Otremba, Wolfgang Donsbach, Horst Beuscher, und Rolf Betschinger.

 

Das KHC-Kollektiv trumpfte nicht nur bei den Saisonhöhepunkten auf, sondern überzeugte auch im Ligaalltag. Nach der Einführung der Bundesliga im Jahre 1969 spielte die 1. Herren-mannschaft 13 Jahre lang in der zweithöchsten deutschen Liga, die anfangs Süddeutsche Oberliga hieß und durch die Umstrukturierung 1979 in Regionalliga Süd umbenannt wurde. Danach war die Tendenz wechselhaft mit leichten Neigungen nach unten: Regionalliga, Oberliga, Verbandsliga und wieder Oberliga waren die Stationen.

 

Auch für die Damen des KHC liegt die Zeit der großen sportlichen Erfolge schon etwas länger zurück. Von 1950 bis 1953 errangen sie viermal hintereinander die Rheinland-Pfalz-Saar-Meisterschaft und qualifizierten sich somit für die Teilnahme an der Deutschen Hockey-Meisterschaft. Drei Mal schieden sie in der Vorrunde aus, 1953 unterlagen sie in der Zwischenrunde mit 0:2 Gold-Weiß Wuppertal. Die KHC-Damen holten sich 1966 noch einmal den Titel des Rheinland-Pfalz-Saar-Meisters und spielten im Kreis der 16 besten deutschen Mannschaften. Leider ging die Partie im Achtelfinale gegen DHC Hannover im Salinental mit 0:1 verloren. Es spielten: Rita Walloch, Margot Nix, Gisela Knicker, Heide Schlarp, Erika Schmidt, Gaby Busser, Kriemhilde Hand, Ute Rühle, Christa Frey, Erika Müller, Gisela Scholtes. Weitere größere Erfolge blieben lange aus, aber zumindest auf Landesebene spielte die Damen-Elf immer eine Rolle. Nach dem Aufstieg 1983 hielten sich die Damen jahrelang in der Oberliga.

 

Ab Mitte der 80er Jahre gab es einige Rückschläge

Man musste der Tatsache ins Auge sehen, dass der wachsende Freizeitmarkt mit anderen Sportarten und Alternativen einen Rückgang im Jugendbereich bewirkte. Erschwerend kam hinzu, dass in den letzten Jahren zu wenig in diesem Bereich geworben wurde. Immer weniger ehrenamtliche Helfer waren bereit zu helfen, und vieles blieb unerledigt auf der Strecke.

Parallel dazu brach im sportlichen Bereich auch noch die Leistungsspitze ein. Aus schulischen, beruflichen und gesundheitlichen Gründen dezimierte sich die Herrenmannschaft damals gewaltig und so wurde letztlich keine Mannschaft mehr gemeldet. Im Damenbereich sah es ähnlich aus und es war letztlich nicht zu verhindern, dass die guten Talente des Clubs zum VFL Bad Kreuznach abwanderten.

Der Vorstand war in einer misslichen Lage und konnte sich nur darauf beschränken, den Club zu verwalten. Das tat er jedoch mit Bravour, denn schließlich hatte man ja mit einem eigenen Clubhaus auch die geschaffenen Werte erhalten. Mit Umsicht und Ruhe lenkte der Kapitän damals sein Boot und wartete geduldig, bis die Flaute vorbei war.

 

„Es waren auf einen Schlag 15 Leute zur Stelle, die etwa gleich alt waren und etwas bewegen wollten“

Es war allen klar, wie schwer es sein würde, die Fahrt wieder aufzunehmen. Einer der wichtigsten Männer im Vorstand dieser Zeit war Uwe Heil, der beharrlich die zarten Pflanzen im Jugendbereich pflegte. Die entscheidende Wende kam eigentlich mit dem Neubau des Kunstrasens 1992.

Angesichts der rosigen Zukunftsaussichten setzte der KHC alles daran, Personen, die Freude am Hockey hatten, zu mobilisieren, Beim Blick zurück auf die überstandene Krise spricht Stefan Tullius (ab 1991 zweiter und ab 1995 bis heute 1.Vorsitzender) von einer glücklichen Fügung. „Es waren auf einen Schlag 15 Leute zur Stelle, die etwa gleich alt waren und etwas bewegen wollten.“ Es entstand eine bunte Mischung aus treuen  Vereinsmitgliedern, alten Hasen, die einige Jahre pausiert hatten, und neuen Gesichtern. Die Hockeybegeisterten brachten neben großer Tatkraft auch gleich den Nachwuchs in Form von Kindern und Enkeln mit. Die Jugendarbeit, die in der Vergangenheit etwas vernachlässigt worden war, sollte die Basis für  künftige  Erfolge sein.

 

Hier ist Steffi Baumann-Zerfass zu nennen, die nicht nur als Sportwartin, sondern auch im aktiven Spiel- und Trainingsbetrieb mit gutem Beispiel voranging.  Auch Markus Rothländer, Stephan Rothländer, Heike Schäfer und Bernd Arend  waren und sind heute noch  tragende Säulen des Vereins, die mit enormem zeitlichem Aufwand und mit sehr viel Freude und Engagement ihre Aufgaben erfüllen. Dies gilt ebenso für den gesamten Vorstand, der seit über 15 Jahren ein eingespieltes Team ist.

 

Mittlerweile zählt der Club über 500 Mitglieder, davon entfallen 300 Spieler auf den Nachwuchsbereich. Positiver Nebeneffekt des Hockeybooms: Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer stieg an. Aus dem Elternlager erfuhr der Club tatkräftige Unterstützung. Aus dieser Bewegung heraus entwickelten sich die „Salinengeister“, eine Elternhockey-Mannschaft. Längst sind die sportiven Eltern zu einer tragenden Säule des Vereinslebens geworden und sorgen bei großen und kleineren Veranstaltungen für das Wohl der Gäste. Aber auch sportlich hat die Truppe einiges zu bieten, worüber später noch berichtet wird.

 

Neben  den Turnieren war der Club mehrfach Ausrichter internationaler Veranstaltungen. Am 10. Juni 1999 gastierten die Deutsche und die Indische Nationalmannschaft im Salinental. 1000 Zuschauer erlebten, wie sich das deutsche Team mit 2:1 gegen den Rekord-Olympiasieger behauptete. Vier Jahre später gab’s das nächste Bonbon für die Bad Kreuznacher. Zum 90-jährigen Bestehen des Vereins wurde der KHC mit den Länderspielen der deutschen U 21-Nationalmannschaft gegen Ägypten betraut. Im August 2005 holte sich das weibliche U21-Nationalteam in drei Testspielen gegen Schottland den letzten Schliff vor der Weltmeisterschaft. Ein halbes Jahr zuvor hatte Bad Kreuznach schon einmal im Mittelpunkt der deutschen Hockey-Elite gestanden. Damals war es die Jugend B gewesen, die in der Konrad-Frey-Halle ihren Meister ermittelte. Inzwischen wurden weitere Süddeutsche- und Deutsche Hallenmeisterschaften an den KHC vergeben, die mit Bravour ausgerichtet wurden.

Im schönen Stadion Salinental wurden zudem Auswahlturniere für den männlichen und weiblichen Nachwuchsbereich organisiert - und im Jahre 2012 im Zuge vom „Deutsch- Französischen Jugendwerk“ auch 3 Länderspiele der U16-Nationalmannschaften. Stolz war man im KHC ganz besonders, da bei diesem Turnier ein Eigengewächs zum Einsatz kam. Moritz Rothländer glänzte hier nicht nur spielerisch, sondern auch als Torschütze für Deutschland. Über ihn und weitere KHC-Nationalspieler im Jugendbereich wird hier in der Festschrift noch eingegangen.

 

Auch auf sportlicher Ebene stellten  sich für den KHC Erfolgserlebnisse ein. Saison für Saison  ging es bergauf. Aus dem Breitensport heraus entwickelte sich eine Spitze in Richtung Leistungssport. Längst hat sich der KHC wieder zur Hockeyhochburg gemausert und zählt zu den besten Mannschaften im Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar. Seit Jahren qualifizieren sich  Nachwuchsmannschaften für die Süddeutsche und auch Deutschen Meisterschaften.

 

Wie sehr die intensive Jugendarbeit fruchtete, zeigt sich beim Blick auf den Aktivenbereich. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen schwingen die KHC-Eigengewächse die Schläger mit großen Ambitionen. Es ging tendenziell nach oben und heute spielen beide Teams im Feld und in der Halle in den Regionalligen, was gleichbedeutend mit der dritthöchsten Klasse in Deutschland ist.

Somit sind die klaren Vorgaben im sportlichen Bereich für das neue Jahrhundert gegeben: „Wir peilen die Zweiten Ligen an!“

 

Doch auch weiterhin stehen für den KHC Fairness, Toleranz, Teamgeist, Körperertüchtigung,  Jugendarbeit und Tradition  im Vordergrund.

 

KHC – wo Hockey und Fechten Spaß machen!

 

Redaktion und Aktualisierung

Günter Stöhr